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Sicher durch den Winter radeln

Milde, sonnige Wintertage laden zum Radeln an der frischen Luft ein. Mit der richtigen Ausrüstung, angepasstem Fahrverhalten und geräumten Radwegen ist ganzjähriges Fahrradvergnügen gewährleistet.

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In Niederösterreich gibt es im Winter immer wieder schnee- und frostfreie Tage: 2019 gab es in St. Pölten 16 Schneetage mit einer Schneedecke über 1 cm und lediglich 9 Eistage mit einer Temperatur unter 0 °C (ZMAG 2020). Wintertage mit Sonnenschein eignen sich ideal zum Radfahren. Besonders motivierte RadfahrerInnen lassen sich jedoch auch von Schlechtwetter und Minusgraden nicht stoppen. Denn mit der richtigen Ausrüstung, angepasstem Fahrverhalten und geräumten Radwegen steht einem ganzjährigen Radfahrvergnügen nichts im Wege.

Radfahren im Winter liegt im Trend

Radfahren liegt im Trend und mittlerweile sind auch zahlreiche RadlerInnen in der kalten Jahreszeit umweltfreundlich mobil. Aber vor allem zwischen November und Februar sollten einige Tipps beachtet werden, damit man sicher unterwegs ist. Radfahren ist nicht nur gesund, sondern tut auch dem Klima und der Umwelt gut. Für zahlreiche NiederösterreicherInnen ist Radfahren mittlerweile ein Ganzjahresvergnügen. Man sollte sich an einige Grundregeln halten, um gut und vor allem sicher durch den Winter zu kommen.

Auch bei trübem Wetter und eisigen Temperaturen spricht nichts dagegen sich die tägliche Portion Bewegung beim Radfahren zu holen. Wichtig sind dabei gute Kleidung und Ausrüstung sowie vorausschauendes Fahren.

Auf die richtige Bekleidung achten

Winddichte bzw. wasserdichte sowie atmungsaktive Kleidung hilft gegen Nässe und Kälte. Am besten trägt man mehrere dünne Kleidungsstücke im „Zwiebelprinzip“ übereinander. Falls die Temperaturen milder ausfallen als erwartet, ist es auch problemlos möglich eine Schicht auszuziehen. Bei der Kleidung sollten helle Farben gewählt werden, und wenn möglich sollte man noch zusätzliche Reflektoren zur besseren Sichtbarkeit anbringen.

Jacken und Hosen lieber eine Nummer größer

Jacken und Hosen sollten an den Bünden größenverstellbar und lang sein. Die Rückenpartie der Jacke sollte über den Rücken reichen, damit die Nieren gut vor Kälte geschützt sind. Hosen sollten lang genug sein und bis über die Schuhe reichen, um das „Aufsteigen“ von Kälte oder Nässe zu verhindern.

Trockene und warme Füße

Warme und wasserabweisende Schuhe sind das A & O um gesund durch den Winter zu radeln. Wer leicht kalte Füße bekommt sollte auf festers Schuhwerk achten oder auf Thermoeinlagen zurückgreifen. Neoprenüberschuhe, wasserdichte Socken oder beheizbare Strümpfe sind normalerweise für´s Alltagsradfahren im Winter nicht notwendig, können bei extremer Kälte aber hilfreich sein.

Warme Hände

Handschuhe sind idealerweise wind- und wasserdicht, nicht zu eng und zugleich feinfühlig genug, um Bremsen und Schaltung problemlos bedienen zu können.

Sichtbarkeit ist wichtig

Gerade in der dunklen Jahreszeit ist eine gute Sichtbarkeit wichtig. Reflektoren an der Kleidung und am Fahrrad helfen, rechtzeitig wahrgenommen zu werden. Klackbändern, Schärpen oder Warnwesten mit Reflektoren sind leicht zu tragen.

Im Winter den Kopf doppelt schützen

Auf Grund von Schnee oder Glatteis ist das Sturzrisiko im Winter höher. Das Tragen eines Fahrradhelms ist gerade zu dieser Jahreszeit sehr wichtig. Der Kopf soll aber auch gegen Kälte und den kalten Fahrtwind geschützt werden. Radhelme sind aber grundsätzlich so gebaut, dass sie den Kopf kühlen und Stauhitze rasch durch Luftschlitz vom Kopf ableiten. Im Winter ein durchaus unerwünschter Effekt. Einfach eine dicke Haube unter dem Helm zu tragen ist leider auch keine Lösung. Die Haube schütz die Stirn und Ohren zwar vor der Kälte, der Radhelm verliert dabei aber seine Passform und somit den optimalen Kopfschutz. Durch die Haube sitzt der Helm viel zu locker und zu hoch, rutscht dadurch in den Nacken und schützt die Stirn nicht mehr.

Geeigneter Kälteschutz für behelmte Köpfe

Kälteschutz ODER Sicherheit ist heute keine Frage mehr. Der Fachhandel bietet entsprechende dünne, warme und atmungsaktive Fleecehauben bzw. Helmunterziehmützen an, die unter einem Fahrradhelm getragen werden können. Manche Modelle können in die entsprechenden Fahrradhelme mittels Klettband befestigt werden. Schalenhelmhersteller bieten zum Teil auch Ohrenwärmer zum Anheften an. Sturmhauben und Schlauchtücher finden unter RadfahrerInnen auch immer größere Beliebtheit. Sie sind warm, dünn und passen somit auch gut unter einen Fahrradhelm.

Das Fahrrad winterfit machen

Sattel

Stellen Sie den Sattel des Fahrrades immer etwas niedriger als gewohnt ein, damit Sie bei Glätte schneller vom Fahrrad absteigen können. Ein Sattelschutz sollte Sie immer dabei haben, um Schnee, Eis und Feuchtigkeit fernzuhalten.

Reifen

Gerade bei Nässe oder Schnee ist eine gute Bodenhaftung ist wichtig. Breite Reifen mit einem guten Profil sind besser für den Winter geeignet. Bei Schnee auf der Fahrbahn hilft außerdem, den Luftdruck etwas zu reduzieren. Auch Spike-Reifen, die im Fachhandel erhältlich sind, erhöhen den Halt auf glatter Fahrbahn.

Schaltung

Nabenschaltungen sind sehr unempfindlich auf Witterungseinflüsse. Die Kette ist breiter und damit langlebiger. Auch das Einfrieren der Schaltung ist im Vergleich zu Kettenschaltungen eher unwahrscheinlich.

Fahrradkette

Die Fahrradkette wird im Winter durch Nässe, aber vor alle Salz besonders belastet. Ein geschlossener Kettenkasten schützt die Kette, reduziert die notwendige Wartung und schont Ihr Hosenbein. Die Kette sollte trotzdem regelmäßig geölt werden.

Licht und Reflektoren

Eine helle LED-Beleuchtung ist in den dunklen Wintermonaten unerlässlich. Das Licht sollte so eingestellt werden, dass die Fahrbahn gut beleuchtet wird, der Gegenverkehr aber nicht geblendet wird. Nabendynamos sind besonders alltagstauglich, da ein Durchrutschen des Dynamos nicht möglich ist. Front- und Rücklicht sollten eine Standlichtfunktion aufweisen, um bei Stopps an Kreuzungen nachzuleuchten. Abnehmbare Lichter nach der Fahrt immer abmontieren, da sich die Akkus in der Kälte schneller entladen. Verschmutze Reflektoren sollten gereinigt oder getauscht werden.

Bremsen

Eine Überprüfung der Bremsanlage und ggf. Tausch der Bremsbeläge ist vor dem Winter immer sinnvoll, damit die Bremsen gut greifen. Die Bremsleistung kann bei Felgenbremsen im Winter durch Salz, Verunreinigung oder alte Bremsbeläge nachlassen.

Schutzbleche

Schutzbleche schützen vor Schneematsch und Nässe. Sie sollten ausreichend groß dimensioniert sein und genügend Abstand zum Reifen aufweisen, damit sich kein Schneematsch festsetzen kann.

Wartung und Reinigung des Fahrrades

Der Verschleiß am Fahrrad ist im Winter durch Nässe, Kälte und Streusalz höher als im Sommer.

  • Um Rost zu vermeiden, das Fahrrad immer gleich von Schnee und Schneematsch befreien. Das Rad nicht längere Zeit im Schnee draußen stehen lassen.
  • Das Fahrrad regelmäßig mit warmem Wasser und etwas Spülmittel von Schmutz und Salz reinigen.
  • Bewegliche Fahrradteile mit Ketten- und Kriechöl schmieren. Aber Achtung: Zu viel Öl zieht Schmutz an und führt zu einem schnelleren Verschleiß der Komponenten.
  • Bremsen und Schaltung regelmäßig reinigen und warten. 

Sicherheitscheck vor dem Losfahren

Vor dem Losradeln sollten Sie die Funktionstüchtigkeit von Bremsen und Schaltung prüfen:

  • Greifen die Bremsen gut?
  • Lassen sich die Brems- und Schalthebel betätigen?
  • Funktioniert die Lichtanlage?
  • Sind alle Reflektoren vorhanden und sauber? 
  • Ist die Schaltung richtig eingestellt?
  • Passt der Reifendruck?

8 Tipps um sicher durch den Winter zu kommen

  1. Vorausschauend und defensiv fahren - AutofahrerInnen rechnen im Winter oft nicht mit RadlerInnen 
  2. Sichere Routen bevorzugen: lieber kleinen Umweg in Kauf nehmen als auf stark befahrenen Straßen fahren, vor allem bei Dunkelheit
  3. Vor dem Losfahren Wetterbericht anschauen - bei Glatteiswarnung Rad eher stehen lassen
  4. Bei Temperaturen unter Null Grad besonders auf glatte Straßenstücke achten und möglichst vermeiden
  5. Rutschige Oberflächen (z.B. Laub, nasse Kanaldeckel) vor allem in Kurven meiden
  6. Vollbremsungen vermeiden, Frühzeitig, sanft bremsen und den längeren Bremsweg beachten
  7. In Kurven die Geschwindigkeit reduzieren und nicht zu sehr in die Kurve legen
  8. Ausreichend Abstand zu parkenden Fahrzeugen und FußgängerInnen halten

Mit dem e-Bike durch den Winter

Die meisten e-Bikes sind heute wintertauglich und können bei Temperaturen bis –10°C problemlos genutzt werden. Achten Sie aber darauf,  dass der Akku nicht dauerhaft tiefen Temperaturen ausgesetzt ist. Nehmen Sie daher nach der Fahrt den Akku mit ins Haus und laden Sie diesen nur in beheizten Räumen auf, da insbesondere Lithium-Ionen-Akkus bei einem Ladevorgang bei unter 0°C kaputt werden können. Der Akku sollte bei über 10°C geladen werden, um Schäden zu vermeiden.

e-Bike einwintern

Wer im Winter lieber auf sein herkömmliches Fahrrad steigt und das e-Bike in den Winterschlaf versetzen möchte, sollte folgendes beachten:

  • Stellen Sie Ihr e-Bike sauber und geschmiert an einen trockenen Ort.
  • Lagern Sie den Akku getrennt bei ca. 10–15°C und mit rund 60% Ladezustand. In regelmäßigen Abständen sollten Sie den Ladezustand Ihres Akkus überprüfen und ggf. nachladen.
  • Erkundigen Sie sich beim Fachhändler oder in der Fahrradbeschreibung wie Sie Ihren Akku optimal lagern,  da die richtigen Lagerbedingungen für den Akku je nach Modell variieren.

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