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Rad & Sicherheit

Radlsicherheit aus wissenschaftlicher Sicht

In den letzten Jahren hat die Zahl der RadfahrerInnen stetig zugenommen, da immer mehr Menschen die Vorteile des Verkehrsmittels Fahrrad erkennen. Dennoch verzichten viele Personen auf diese umweltfreundliche Fortbewegungsart mit dem Argument des hohen Unfallrisikos.

Zur Quantifizierung des Unfallrisikos werden verschiedene Kenngrößen verwendet:

  • pro Kopf Unfallrisiko: Verunglückte pro 1.000 EinwohnerInnen und Jahr
  • verkehrsleistungsbezogenes Unfallrisiko (Entfernungsrisiko)
  • Verunglückte pro 1 Million Kilometer Verkehrsleistung
  • Unfallzeitrate (Zeitrisiko): Verunglückte pro 1 Million Stunden Verkehrsbeteiligungsdauer

Im Folgenden wird das Unfallrisiko im Vergleich RadfahrerInnen zu Pkw-InsassInnen dargestellt (Quelle: Klaus Robatsch, Christian Kräutler, Forschungsarbeiten aus dem Verkehrswesen, Band 71, Radverkehrsunfallanalyse und daraus resultierende Planungsgrundlagen, BMVIT Wien 1997):

  Pro Kopf Unfallrisiko Entfernungsrisiko Unfallzeitrate
RadfahrerInnen 0,8 3,7 29,1
Pkw-InsassInnen 4,2 1,0 30,8

Das Pro-Kopf-Unfallrisiko für RadfahrerInnen liegt deutlich unter jenem der Pkw-InsassInnen. Für eine Risikobewertung ist diese Kenngröße jedoch wenig geeignet. Sie zeigt aber auf, dass in Österreich rund 5 x mehr Personen in Pkws als bei der Benutzung des Fahrrades im Straßenverkehr verunglücken.

Bezogen auf die Verkehrsleistung (Entfernungsrisiko) ist das Unfallrisiko für das Verkehrsmittel Fahrrad größer als jenes für das Verkehrsmittel PKW.

Verschiedene VerkehrswissenschaftlerInnen (Strambi u.a.; 1983) haben festgestellt, dass Verkehrsteilnehmende ein relativ konstantes Reisezeitbudget aufweisen. Deshalb ist das Zeitrisiko ein besserer Indikator als das Mobilitätsrisiko oder das Entfernungsrisiko. Demzufolge ist die Wahrscheinlichkeit, beim Rad fahren zu verunglücken (29,1 Verunglückte pro 1 Million Stunden Verkehrsbeteiligungsdauer) annähernd gleich hoch wie beim Autofahren (30,8 verunglückte pro 1 Million Stunden Verkehrsbeteiligungsdauer).

Die nachstehende Tabelle zeigt die Unfalldichte der Radverkehrsunfälle bei unterschiedlicher Linienführung.

                                  Radverkehrs- unfälle pro Kilometer Radweg oder Radfahrstraße Radverkehrs- unfälle pro Kilometer verkehrs- beruhigte Zone Radverkehrs- unfälle pro Kilometer Geh- und gemischter Geh- und Radweg Radverkehrs- unfälle pro Kilometer Straßenlänge
Niederösterreich 0,14 0,01

0,05

0,07
Österreich 0,34 0,06 0,13 0,15

Die Unfalldichte auf Radwegen und Radfahrstreifen liegt deutlich über den Werten anderer Linienführungen. Natürlich ist gerade auf Radwegen und Radfahrstreifen der Anteil an Radfahrenden am größten. Es lässt sich somit nicht ableiten, dass Radwege und Radfahrstreifen unsicherer seien als andere Arten der Linienführung. Sicherheitsinvestitionen gerade im Bereich dieses Netzteiles können aber insbesondere hier effizient eingesetzt werden, da auf einer im Vergleich geringen Netzlänge eine hohe Anzahl von RadfahrerInnen erreicht wird.

Im Vergleich zu Österreich liegen in Niederösterreich die Unfalldichten bei allen Arten der Linienführung deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Es muss aber auch hier darauf hingewiesen werden, dass die jeweiligen Radverkehrsanteile einen großen Einfluss auf diese Werte ausüben.

Untersucht man das Tötungsrisiko der Verunglückten, so zeigt der Vergleich zwischen RadfahrerInnen und Pkw-InsassInnen folgendes Ergebnis:

Im Jahr 2007 wurden in Niederösterreich rd. 1,2% aller verunglückten Radfahrende getötet (768 Verunglückte davon 9 Getötete). Dem gegenüber verloren rd. 2,0% aller verunglückten Pkw-InsassInnen im Jahr 2007 in Niederösterreich ihr Leben (6304 Verunglückte davon 124 Getötete). Ähnliche Verhältnisse zeigen sich auch bei der Betrachtung längerer Zeitreihen.

Weiters ist darauf hinzuweisen das beim Rad fahren, durch die geringe Masse des Fahrrades gegenüber Kraftfahrzeugen, ein geringeres Gefahrenpotential bewegt wird. So sind die Verletzungsfolgen für andere Verkehrsteilnehmende durch von Radfahrenden verursachte Unfälle deutlich geringer als sie durch von Kfz-LenkerInnen verursachte Unfälle ausgehen. Jeder zurückgelegte Weg mit dem Rad leistet somit auch einen allgemeinen Beitrag zur Hebung der Verkehrssicherheit, durch Minimierung des vom jeweiligen Verkehrsmittel ausgehenden Gefahrenpotentials.
 

Der Radverkehr weist im Vergleich zu anderen VerkehrsteilnehmerInnen eine geringere Verletzungsschwere und kein erhöhtes Unfallgeschehen auf. Wenn andere Verkehrsteilnehmende mit dem Radfahrenden kollidieren, sinkt deren Verletzungsschwere signifikant.

Quelle: DI Christoph Westhauser & Kuratorium für Verkehrssicherheit