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RADLakademie zum Thema Radfahren und Sicherheit

Die 15. RADLakademie widmete sich dem Thema Radfahren und Sicherheit und griff die diversen Betätigungsfelder auf, wo es Potential zu Verbesserungen gibt.

Referenten RADLalkadmie
© R. Burger, eNu

RadfahrerInnen zählen zu den besonders gefährdeten VerkehrsteilnehmerInnen. Obwohl die Anzahl der tödlich verunglückten RadfahrerInnen in den letzten Jahrzehnten rückgängig ist, ist die Anzahl derjenigen, die sich beim Radfahren verletzen gestiegen. Radfahrende fühlen sich zudem von allen VerkehrsteilnehmerInnen am wenigsten sicher. Gründe, um die Bemühungen um einen sicheren Radverkehr weiterhin zu forcieren.

Anzahl der tödlichen Unfälle sinkend

Die statistischen Erhebungen des Kuratorium für Verkehrssicherheit gaben Einblick in die Entwicklung des Unfallgeschehens im Radverkehr. Berücksichtigend, dass sich die Verkehrsleistung des Radfahrens in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt hat, ist die Entwicklung positiv. Generell ist die Anzahl der tödlich verunglückten RadfahrerInnen sinkend, die Anzahl der Unfälle mit Verletzungen ist hingegen angestiegen. Der größte Anteil an Unfälle (44%) wird im Zusammenstoß mit PKWs verursacht, 35% sind selbstverschuldet (Alleinunfälle).  Radfahrende selbst bewerten das subjektive Sicherheitsgefühl am häufigsten mit „unsicher“. Diese Zahlen zeigen, dass Sicherheit ein wichtiges Argumentarium und auch Handlungsfeld ist, um das Radfahren für noch mehr Menschen attraktiver zu machen.

Bei Unfallverursachern ansetzen

Häufige Unfallverursacher sind Dooring und toter Winkel. Abrupt öffnende Autotüren stellen eine signifikante Gefahr für RadfahrerInnen dar und verursachen mind. 5% der gemeldeten Unfälle mit Personenschaden und Radfahrbeteiligung. ¾ aller RadfahrerInnen bewegen sich in der Dooring Zone (0,75m Abstand von parkenden Autos). Bodenmarkierungen (Linienführung oder Sharrows)  geben den Radfahrenden Orientierung und helfen dabei notwendige Mindestabstände zu parkenden Autos einzuhalten. Zur Vermeidung von Dooring-Unfällen wird eine Radwegebreite von 1,20-1,80m angrenzend an den Parkstreifen empfohlen.

Mehr als 1/3 aller Radunfälle passieren im Kreuzungsbereich. Besonders gefährlich sind rechts abbiegende LKWs bei straßenkreuzenden Radfahrern, die den Radfahrer im toten Winkel nicht wahrnehmen. Maßnahmen, um das Gefährdungspotential zu minimieren, sind zum einen vorgezogene Haltelinien für RadfahrerInnen. Und zum anderen kann ein „Grünvorlauf“ bei der Ampelschaltung bzw. eine getrennte Phase für den Abbiegeverkehr Zusammenstöße verhindern. Der Sichtkontakt zwischen den VerkehrsteilnehmerInnen ist für ein sicheres Vorwärtskommen im Straßenverkehr sehr ausschlaggebend. Demnach ist die Bewusstseinsbildung nicht zu vernachlässigen, da ein aufmerksames und geschultes Fahrverhalten die Grundvoraussetzung für ein konfliktfreies Miteinander im Straßenverkehr ist.  

Mehr Sicherheit durch gute Radfahrinfrastruktur

Aus sämtlichen Studien geht hervor, dass deutlich mehr Alltagswege mit dem Rad zurückgelegt werden, wenn die Infrastruktur zum Radfahren gut ist. Prof. DI Meschik von der Universität für Bodenkultur stellt dazu eine einfache Formel auf: mehr Radinfrastruktur = mehr Radverkehr. Umfragen zeigen, dass sich die meisten RadfahrerInnen aufgrund von mangelnden Radwegen und zu viel KFZ-Verkehr unsicher fühlen. Für ein sicheres Vorwärtskommen werden daher ausreichend breite Radfahranlagen (mind. 1,50m Breite) empfohlen. Da die Verletzungsgefahr mit steigender Fahrgeschwindigkeit zunimmt, hat die Limitierung der Fahrgeschwindigkeit erheblichen Einfluss auf die Radfahrsicherheit. Verbesserungspotential gibt es vorwiegend bei Kreuzungen. Der Kreuzungsbereich soll leicht verständlich ausgeführt sein, Hindernisse wie Poller bzw. Umlaufsperren sollen vermieden werden und die Führung des Radverkehrs soll Kollisionswahrscheinlichkeiten mit PKWs vermeiden.

Raddiebstahl vorbeugen

Das Thema Sicherheit inkludiert auch das sichere Verwahren und Versperren von Fahrrädern. Die Diebstahlsrate ist seit 2012 in NÖ um 38% gestiegen, 4.877 angezeigte Fahrräder haben 2016 unfreiwillig den Besitzer gewechselt. Die Dunkelziffer ist laut Angaben des Landeskriminalamt NÖ jedoch acht Mal so hoch. In diesem Fall können ausreichend und adäquate Abstellanlagen mit robusten Bügeln Abhilfe schaffen. Die sogenannten „Felgenkiller“ bieten nur unzureichend Schutz, da sie nur das Vorderrad sichern. Die Absperrung inklusive Rahmen ist ratsam. Ein guter Abstellplatz alleine kann den Diebstahl nicht verhindern, wenn das Absperrschloss ungenügenden Schutz bietet. Am Markt erhältlich sind verschiedene Fahrradschlösser, die sich in Handhabe, Gewicht und Reichweite unterscheiden. Als Richtwert für die Kosten eines Fahrradschlosses werden 5-10% des Fahrrad-Kaufpreises empfohlen.

Sicherheit ist eine Frage von infrastrukturellen und verkehrstechnischen Maßnahmen, aber auch ein Wirkungsfeld, auf das jeder einzelne Radfahrer Einfluss hat, indem er ein sicheres Fahrverhalten an den Tag legt und Bewusstsein für Gefahrenvermeidung entwickelt.

Referate zum Nachlesen

"Unfallgeschehen im Radverkehr" - DI Bernd Strnad (KFV Sicherheit-Service GmbH)

"Neueste Studien zum Thema Dooring und dem toten Winkel" – DIin Sheila Agbontaen (Kuratorium für Verkehrssicherheit) - wird nach der Veröffentlichung der Publikation hier zum Download zur Verfügung gestellt

„Tipps und Beispiele für sichere Radfahranlagen“ – Prof. Meschik (BOKU)

„Fahrräder vor Diebstahl schützen“ – Bezirksinspektor Karl Zederbauer (LKA NÖ)