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Dokumentation

Radfahren in Europa

Die Rückkehr des Fahrrades in Europa ist seit Jahren zu beobachten. Immer mehr Städte folgen diesem Trend und planen Verkehrskonzepte neu. Es gibt Vorreiter-Städte wie Kopenhagen, Amsterdam und Groningen mit langen Erfahrungen – sie radeln jetzt mit Rückenwind, aber auch Städte wie Ljubljana (Slowenien), und Vinnytsia (Ukraine) kommen langsam aber sicher in die Gänge.

Radelbrücke Kopenhagen
© R. Burger, eNu

Viele Errungenschaften und Entwicklungen stammen aus der Feder einer Person, die diese hartnäckig verfolgt und umsetzt. So auch die Vorstellung die Heimatstadt radfahrfreundlich umzugestalten.

Max van den Bergs Ring um Groningen

In den 1960er und 1970er Jahren wurde das Auto für die breite Mehrheit der Bevölkerung leistbar und die StadtplanerInnen in Europa begannen die Innenstädte autotauglich umzubauen. Häuser wurden abgerissen, um breite Straßen und Abstellflächen für die Autos zu schaffen. Nicht so in Groningen!

Ein junger Mann hatte die Idee, die Altstadt zu erhalten und nur für FußgängerInnen, RadfahrerInnen und den öffentlichen Verkehr zu öffnen. Mit nur 24 Jahren wurde Max van der Berg in die Stadtverwaltung gewählt und war dort für die Stadtentwicklung zuständig. Seine Idee, eine Ringstraße für Autos um die Stadt anzulegen und Groningen in vier Segmente aufzuteilen, wobei der direkte Weg von einem Stadtsegment zum nächstem nur mit Öffis und dem Fahrrad möglich ist, Autos müssen über die Ringstraße fahren, stieß nicht nur auf Freude. Vor allem die GeschäftsberteiberInnen fürchteten immense Verluste, wenn die Kundinnen nicht mehr mit dem Auto anfahren können.

40 Jahre später gibt die Geschichte Herrn van der Berg und die Umsetzung seines Planes recht. Groningen ist Hollands Fahrradhauptstadt mit über 60% RadfahrerInnenanteil und die Stadtverwaltung setzt weiterhin auf das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel.

Janez Kozelj kappt die Verkehrshauptader Slovenska cesta in Ljubljana

Die Slovenska cesta ist schon seit mehr als 2000 Jahren die Verkehrshauptader zwischen Nordeuropa und dem Mittelmeerraum. Die Straße mit ihrem starken Verkehr geht auch mitten durch Ljubljana.

Janez Kozelj, Vizebürgermeister von Ljubljana, hatte einen Traum: Er wollte die Innenstadt „seiner“ Stadt autofrei machen und in eine Begegnungszone für FußgängerInnen, RadfahrerInnen und öffentlichen Verkehr umgestalten. Heute ist sein Traum Realität geworden.

Zu Beginn der Realisierung dieser Idee, wurde die Slovenska cesta wegen Baustellen gesperrt – nichts Ungewöhnliches. Die AutofahrerInnen suchten sich neue Routen und gewöhnten sich an die Sperre der Innenstadt, die auch nach Beendigung der Bautätigkeiten nicht mehr für den Autoverkehr geöffnet wurde. Nach wenigen Jahren nahm der Autoanteil stark ab und der Radverkehr entsprechend zu.

Für 2016 wurde Ljubljana von der Europäischen Kommission der Titel „Umwelthauptstadt Europas“ verliehen. Der Titel wird jährlich an eine europäische Stadt verliehen, "der es in besonderer Weise gelungen ist, Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum zu einer hervorragenden Lebensqualität ihrer Einwohner zu verbinden".

Statt Autoabgase und Lärm finden sich jetzt auf der alten Slovenska cesta Cafes und Restaurants mit Tischen, spielenden Kinden, FußgängerInnen und RadfahrerInnen die sich die Fläche mit öffentlichen Bussen teilen.

Jetzt will Janez Kozelj mit Radwege- und Öffiausbau dem Autoverkehr in den Außenbezirken den Kampf ansagen.

Oleg Krupskyy radlt um sein Leben in Vinnytsia

Oleg Krupskyy, heute Radkoordinator von Vinnytsia in der Ukraine, war einer der ersten Radfahrer in der Auto dominierten 400.000 Einwohner Stadt. Er musste bei seiner täglich Radfahrt zur Arbeit um sein Leben fürchten. Denn Radwege gab es nicht und auch keine anderen RadfahrerInnen. Für die AutofahrerInnen war er ein Verrückter, der sich kein Auto leisten kann und ein Verkehrshindernis. Doch immer mehr „Verrückte“ folgten seinem Vorbild.

Mit zahlreichen Events wirbt er unermüdlich für seine Mission. Er veranstaltet regelmäßig Critical-Mass-Treffen, ursprünglich eine im Jahr 1992 in San Francisco entstandene Protestform, bei der Radfahrer durch gemeinsame Fahrten für Platz und mehr Rechte werben. Nun radelt er auch schon ersten Erfolge ein: Die Stadt hat begonnen Radwege zu bauen.

In Vinnytsia findet ein Umdenken statt – weg von Auto, hin zum Öffentlichen Verkehr. Die Stadt Zürich hat Vinnytsia ihre alten ausrangierten Straßenbahngarnituren samt Ersatzteilen, Transport und Einschulung geschenkt. Nun wird das alte, zum Teil abgebaute Straßenbahnnetz wieder in Stand gesetzt und mit Hilfe eines Schweizer Verkehrsplaners will Vinnytsia Europa in Sachen Verkehrspolitik einen Schritt näher kommen.

Viele weitere Beispiele die anderen Städten wieder Vorbild sein können.